Having the balls for it

Hm, was soll dieser Titel denn bedeuten? Kann ich damit etwa all das beschreiben, was in den letzten Wochen passiert ist und was ich so alles erlebt habe!? Der Titel ist Umgangssprache, deshalb will ich ihn mal nicht woertlich uebersetzen, aber im Grunde genommen meint er: „Den Mut dazu haben!“
Tja, wozu denn bloß den Mut haben? Was habe ich denn jetzt schon wieder angestellt?

Vielleicht erratet ihr es ja, nachdem Ihr die folgenden Bilder genau betrachtet!

Und? Kommt ihr drauf? Falls nicht werde ich euch jetzt mal auf die Spruenge helfen. Das was ihr auf diesen Bildern seht, sieht einfach mal nach einem richtigen Hiking Abenteuer aus! Diesmal war es kein Lari-Fari-Wandern, diesmal war es eine richtig ordentliche Tour! Ich will jetzt nicht behaupten, dass die letzten Touren, die ich in Tasmanien gemacht habe nicht gut waren, aber diese Tour war definitiv nochmal um einiges besser.

Diese Tour war nichts fuer Weicheier und auch nicht zu vergleichen mit dem Moechtegern-Ueberlebenstraining von Bear Grylls im Fernsehen. Diese Tour war ganz schoen hart, ganz schoen lange und einfach Realitaet, hier war ich auf mich alleine gestellt. Ich erinnere mich noch genau, als ich zu Piet, dem Manager des Hostels ging, um ein paar Informationen ueber diesen Track auszudrucken. Er sagte bloß zu mir: „Die einzige Info, die du brauchst, wenn du diesen Track durchziehst ist, dass du echt ein verrueckter Mann bist!“ Tja, die Einheimischen wissen eben, was das fuer ein Track ist!

Ich habe mich mit einem kleinen Flugzeug in den unberuehrten Sued-Westen Tasmaniens fliegen lassen und bin dann von dort aus zurueck zur Zivilisation gewandert! In diesem riesigen National Park, der mit Abstand der groeßte in Tasmanien ist, gibt es selbstverstaendlich keine Haeuser, keine Straßen, keinen Strom und keinen Empfang fuer Handys! Es ist einfach unberuehrte Natur.
Das einzige, was es dort gibt, ist ein Landestreifen, ziemlich tief im Sued-Westen, mit einer kleinen Huette, wo ich dann auch abgesetzt wurde.

Da ich aber nicht einfach bloß von diesem Punkt aus zurueck wandern wollte, sondern mir auch noch den noerdlichen Teil des National Parks anschauen wollte, musste ich die eigentliche Route um ein paar Tage verlaengern. Somit plante ich mit einem Maximum von 13 Tagen!
Planung war fuer diesen Trip auf jeden Fall nicht zu vernachlaessigen, denn eins war klar, wenn ich erst mal tief in der Natur stecken wuerde, gaebe es kein Zurueck mehr! Diesen Track musste ich mit Respekt behandeln, denn es war kein Geheimnis, dass dort schon Wanderer umgekommen, oder einfach spurlos verschwunden sind! Damit will ich jetzt aber keine Angst machen, man sollte sich eben einfach auf einiges gefasst machen :-P

Diesmal habe ich es dann auch fuer angebracht gehalten, ein so genanntes E-purp mitzunehmen. Es ist ein GPS-Geraet, was bei Aktivierung ein Hilfesignal mit meinen genauen GPS Koordinaten zur australischen Rettungszentrale sendet, damit diese mit einem Hubschrauber zur Hilfe kommen. Hoert sich zwar jetzt hart an, aber ich wollte eben nicht gleich verhungern, bloß wenn ich mir den Fuß breche!

Dann musste ich nur noch die passende Verpflegung finden. Das heißt, es musste moeglichst leicht sein, gut satt machen, sich fuer 2 Wochen lang mitschleppen lassen und dann auch noch moeglichst gut schmecken! Das war echt nicht einfach! Aber es war gut moeglich.

Jetzt glaubt nicht, dass ich mich dann 13 Tage lange nur von Haferflocken und Crackern ernaehrt habe. Natuerlich hatte ich die dabei, aber ich hatte jeden Abend eine warme Mahlzeit. Als Highlight hatte ich auch ein paar Mal Spaghetti Bolognese (Pasta, Fertigsoße und gefriergetrocknetes Hackfleisch).
Ich hatte sogar viel zu viel zu Essen dabei. Manchmal habe ich einfach nur meine geplante Tagesration gegessen, damit mein Rucksack leichter wurde! Und ich hatte am Schluss immer noch fuer weitere drei Tage Verpflegung angespart! Naja, aber besser zu viel, als zu wenig :-P

So, dann konnte es los gehen, ab zum Flughafen, ins Flugzeug und dann einen Flug von 45 Minuten genießen! Da konnte ich schon mal einen Vorspann sehen, wo ich knapp 2 Wochen drin stecken wuerde.

Aber jetzt haltet mich nicht fuer so verrueckt, dass ich mich einfach im Dschungel absetzen lasse und dann irgendwie zurueck laufe. Man muss zwar vielleicht ein bisschen verrueckt sein, aber durchgeknallt bin ich dann noch nicht! Da gibt es natuerlich einen vorgetrampelten Weg. Der ist zwar manchmal nicht wirklich eindeutig. Aber dafuer konnte man ihn manchmal sogar sehr gut aus dem Flugzeug erkennen, da er einfach wie ein Pfuetzenlandschaft, oder wie ein Bach aussieht, denn der South-West National Park besteht eben zum groeßten Teil aus Sumpf und Moor!

So war es nicht verwunderlich, dass meine Schuhe innerhalb der ersten Stunden komplett durchgeweicht waren. Ich hatte zwar bis auf die letzten Tage sehr viel Glueck mit dem Wetter, da es nicht wirklich viel geregnet hat, aber wenn man manchmal bis zum Knie in den Match einsinkt, dann haelt selbst der beste Schuh nicht lange trocken!

Jetzt fragt ihr euch sicher: „ Warum bitte tut man sich denn so etwas freiwillig an?“

Glaubt mir, das habe ich mich am ersten Tag auch gefragt, denn der war echt verdammt hart! Wir haben am Abend zuvor noch ein bisschen den Abschied von Esther gefeiert, weil sie zurueck in die Niederlande musste. Deshalb kam ich leider erst in der Nacht dazu, meinen Rucksack komplett fertig zu packen und musste aber um 6 Uhr schon wieder raus! Tja, das war meine eigene Schuld, aber mit gerade mal 2,5 Stunden Schlaf war der erste Tag wirklich Horror.

Es waren weniger die 29 kg auf meinem Ruecken, die das Ganze anstrengender machten. Viel schlimmer war eher die extreme Sumpflandschaft, durch die ich am ersten Tag durch musste, denn diese war wirklich nicht einfach zu meistern! An Wasser in den Schuhen und Match bis zu den Knien hatte ich mich ja mittlerweile schon gewoehnt, aber teilweise war es wirklich so sumpfig, dass sich bei jedem Schritt alle Pflanzen auf dem gleichen Quadratmeter mit bewegt haben.

An diesem Tag war meine Hauptaufgabe, bloß nicht in diesem „Drecksloch“ stecken zu bleiben, denn mit fast 30 Kilo zusaetzlichem Gewicht ist das nicht wirklich einfach, da sinkt man doch ganz schoen tief ein.

In der Schule bringen einem die Lehrer bei, dass man an seine Grenzen gehen soll, damit man weiß was man drauf hat. Aber wie man das anstellt sagt einem nie Einer. Aber glaubt mir, an diesem Tag bin ich auf jeden Fall an einige meiner Grenzen gestoßen. Dass das Schilf die Haut an meinen Knien aufschlitzte, war mir irgendwann einfach egal. Und auch, dass sich manche Blutegel an mir fast zu Tode saugten interessierte mich nicht mehr. Ich war einfach so froh, als ich am Ende des Tages endlich ein kleines Waldstueck gefunden hatte, wo ich mein Zelt aufbauen konnte! Denn im Wald war der Boden nur feucht und nicht sumpfig. Ich wollte kein Abendessen mehr, ich baute einfach mein Zelt auf und legte mich hinein. Ich war so voellig am Ende, dass ich doch tatsaechlich 17 Stunden am Stueck geschlafen habe! (von 7 Uhr abends bis 12 Uhr am naechsten Mittag)

Nach diesem Tag konnte es nur noch leichter werden! …..dachte ich zumindest :-P

Ich wuerde euch ja jetzt gerne jeden einzelnen Tag genau beschreiben, da wirklich jeder Tag einzigartig war, aber dann koennte ich fast ein ganzes Buch schreiben. Also will ich einfach mal von ein paar Einzelheiten erzaehlen.

Die darauf folgenden Tage waren soweit gut zu meistern, ich hatte nochmal den Schlafmangel ausgeglichen und auch meine Beine gewoehnten sich langsam an die Dauerbelastung! Auch an permanent nasse Fueße hatte ich mich schon mehr oder weniger gewoehnt. Diesmal hatte ich sogar ein großes Stueck Ingwer dabei. Davon konnte ich mir immer jeden Abend frischen Ingwertee kochen, damit meine Fueße sich jeden Abend wieder aufheizten und von dem ganzen Wasser erholen konnten.

Doch als ich am vierten Tag dann ploetzlich Schmerzen an einem meiner Zehen spuerte und dann mit erschrecken feststellte, dass sich der Zehennagel loeste, musste ich die Sache mit nassen Schuhen wohl mal ein bisschen ernster nehmen. Also war ab diesem Tag mein Fokus erst mal darauf gerichtet, meine Schuhe vom Status Durchgeweicht, nur noch auf Feucht zu bekommen!

Das ist mir dann sogar innerhalb weniger Tage gelungen. Unteranderem, weil ich ab diesem Zeitpunkt immer meine Schuhe auszog, wenn ich durch eine Quelle durch musste (denn die waren manchmal so groß wie der Fluss Lieser) und da ich mich ab Tag 5 auf dem South coast Track befand. Und wie der Name schon sagt, verlaeuft dieser Track an der Kueste. Das heißt nicht, dass dort kein Matsch und Schlamm ist, aber das heißt, dass ich dort nicht mehr durch so eine riesige Moorlandschaft durch musste, wie in den ersten Tagen.

Am Tag 6 bekam ich dann ploetzlich ein Problem mit meinem linken Schuh. Im Fußbett ist, wie aus dem Nichts, ein kleiner, spitzer Huegel aufgetaucht, der mir in den Fuß drueckte. Das war echt ein Problem! Und so viel war klar, wenn ich auf diesem Track ein Problem bekommen wuerde, dann war es wirklich ein Problem! Und das musste ich irgendwie loesen!

Zum Glueck hatte ich mein Multifunktionswerkzeug dabei, womit ich diesen Knubbel dann auch ein bisschen beseitigen konnte, aber leider spuerte ich ihn nach wie vor noch. Naja, mehr konnte ich eben nicht machen!

An diesem Tag war ich auch sehr froh, dass es die vergangenen Tage nicht geregnet hatte, denn ich musste durch den Louisa River, es ist einer der groeßten Flusse, die den Track kreuzen. Im Fall von starkem Regen kann das Wasserlevel so stark ansteigen, dass es unmoeglich ist ans andere Ufer zu kommen. Aber ich hatte Glueck und konnte einfach durch gehen.

Tag 7 war einer der haertesten Tage, da ich an diesem Tag die Ironbound Range passieren musste. Es ist die hoechste Gebirgskette an der Suedkueste. Ich musste innerhalb diesem Tag vom Meeresspiegel auf 900 Meter Hoehe und dann auch wieder hinunter bis zum Meeresspiegel. Ich kann euch nicht sagen, welcher Weg haerter war. Ob es der steile Weg bis zum Gipfel war, den ich in der starken Morgensonne meisterte, oder ob es der matschige Weg berg ab war, der sich auf der Schattenseite befand, wo ich mehr oder weniger zwischen freigespuelten Baumwurzeln hin und her klettern musste und dabei auch noch aufpassen musste, dass ich nirgendwo ausrutsche, denn da war wirklich Wasser ueberall. Naja, aber letztendlich hab ich es gemeistert!

Die Energie die ich an diesem Tag zusaetzlich aufbringen musste, bloß um meinen Rucksack auf diese Hoehe zu bringen ist physikalisch damit zu vergleichen, wenn man einen 3,5 Tonnen Lkw auf ein Einfamilienhaus liftet. Hoert sich doch schon gigantisch an ..oder?

Ironbound Range

Am naechsten Morgen bin ich dann aufgewacht und habe mit Erschrecken festgestellt, dass ich ein Loch in meinem Zelt habe. Ich hatte doch tatsaechlich nach diesem anstrengenden Tag so tief geschlafen, dass ich nicht mitbekommen habe, dass sich eine Maus in mein Zelt rein gefressen hatte. Zum Glueck hatte ich vorsichtshalber meine Verpflegung tief im Rucksack verpackt. Nur den Muell hatte ich in einer Plastiktuete im Zelt liegen, doch damit konnte die Maus leider nicht viel anfangen.
Ich konnte schon froh sein, dass es nur eine Maus war und kein Opossum, denn das haette mir erstens das halbe Zelt aufgeschlitzt und haette auch vor meinem Rucksack keinen Halt gemacht. Diese Tiere sind ganz schoen schnell und vor allem ganz schoen schlau! Die koennen sogar Reißverschluesse auf machen!

Naja, aber zum Glueck hatte ich auch ein Stueck Tape dabei, um mein Zelt sofort zu reparieren, damit ich wenigstens im Schlaf noch sicher vor Moskitos, Blutegeln und Bulldoggenameisen war. Denn mit diesen gigantisch großen Ameisen ist auch nicht zu spaßen. Die sind ca. 4 cm groß und konnen sogar springen. Ihre Bisse sind mit Wespenstichen zu vergleichen und fuer Allergiker auch lebensgefaehrlich!

An diesem Tag war das Highlight eine Lagune, die ins Meer muendete, denn ich musste diese ueberqueren. Hierzu wurde aber ein kleines Ruderboot bereitgestellt, damit man nicht schwimmen muss, denn es war eine Entfernung von 200 Meter.

Ich hatte Glueck, dass mich ein anderer Wanderer kommen sah, der sich schon auf der anderen Seite befand. So paddelte er mit dem Boot rueber zu mir und ich paddelte anschließend zum anderen Ufer. Das ersparte mir 2 Rudergaenge, denn sonst haette ich einmal rueber paddeln muessen, das Boot auf der anderen Seite packen muessen, dann mit 2 Booten wieder ans erste Ufer zurueck muessen, eins wiederum dort lassen und dann mit dem Boot letztendlich ans gewollte Ufer paddeln muessen. (Etwas kompliziert, aber man musste eben immer sicherstellen, dass sich an jeder Seite immer ein Boot befand, deshalb 3 Rudergaenge).

Der Wanderer, den ich an diesem Abend traf, war ein Amerikaner, der jetzt schon seit einigen Jahren in Tasmanien lebt. Bevor er nach Australien kam ist er schon mehrere 1000 Meilen zwischen einzelnen Bundesstaaten der USA hin und her gewandert! ..Auf einem Track der haerteren Klasse trifft man eben auch andere Personen :-P

Tag 10 habe ich mir dann einfach mal eine Auszeit gegoennt, denn ich hatte ja vorsichtshalber einen Wartetag einkalkuliert, den ich am Louisa River verbringen muesste, im Fall von starkem Regen und diesen Tag brauchte ich ja bis dahin noch nicht! So konnte ich an diesem Tag einfach mal entspannen, ohne Schuhe herum laufen und den Wellen im Meer zuschauen. Ich hatte endlich nochmal eine Gelegenheit um ein Lagerfeuer zu machen, und diese musste ich dann auch unbedingt ausnutzen. Da es schon wieder ein paar Tage her war, als ich mich das letzte Mal in einer Quelle gewaschen hatte, hab ich mich auf gefreut endlich nochmal gruendlich baden zu gehen. Und damit meine ich 3 Minuten, denn laenger hielt man es einfach nicht aus, weil das Wasser viel zu kalt war.
Alles in allem war es ein schoener Tag, um einfach mal die Ruhe zu genießen und Energie zu tanken!

manchmal wird doch nuetzlicher Kram am Strand angespuelt :-P

Am Tag 11 war es dann sogar so warm, dass ich selbst im Shirt noch ganz schoen viel schwitzte. Doch in der Nacht tauchte ploetzlich eine Kaltwetterfront auf. An diesem Abend campte ich in ein paar Hundert Metern Hoehe auf einem kleinen Huege. Somit konnte ich den eiskalten Suedwind spueren, der wie aus dem Nichts auftauchte und auch fuer den ganzen folgenden Tag anhielte.
Da wurde mir doch mal sehr gut bewusst, dass ich mich in diesem Moment wahrscheinlich naeher an der Antarktis, als am noerdlichsten Teil von Australien befinden wuerde, denn es war echt eisig. Am Morgen zog ich alle Kleidung an, die ich hatte und es war immer noch zu kalt! Meine Fueße waren selbst nach einer halben Stunde wandern immer noch Eiskloetze. Somit habe ich an diesem Punkt nicht davor zurueck geschreckt, einfach einen Klotz Ingwer zu zerkauen und runter zu schlucken. Es war zwar verdammt ekelhaft, aber dadurch habe ich es wenigstens geschafft, innerhalb der naechsten halben Stunde meine Durchblutung soweit in Gang zu bringen, dass ich meine Zehen wieder bewegen konnte.

Tja, diesmal konnte ich am eigenen Leib erfahren, was die Einheimischen so ueber das tasmanische Wetter sagen. Sie behaupten, Tasmanien sei das einzige Land, wo man einen Sonnenstich und einen Kaelteschock zur gleichen Zeit bekommen kann. Und damit haben sie auch nicht ganz Unrecht!

Tag 12. Ich hatte ja die letzten Tage schon ein paar Tigersnakes gesehen. Doch die sind mir immer freiwillig aus dem Weg gegangen, als sie mich bemerkt haben, denn sie sind wirklich scheu. Doch an diesem Tag sah ich mal eine andere Sorte Schlangen.
Ich war unterwegs auf einem sonnigen Stueckchen, wo ausnahmsweise mal nicht viel Matsch war. Da sah ich ploetzlich eine Brownsnake wenige Meter vor mir, die schlagartig ins Gebuech, in der Naehe des Weges sprang. Diesmal war reinste Vorsicht geboten. Diese Sorte Schlangen sind nicht gerade freundlich! Um ehrlich zu sein sind sie sogar sehr aggressiv. Sie wuerde mich angreifen, wenn ich ihr zu nahe kaeme.
Somit blieb ich nur einen kurzen Zeitpunkt stehen, um zu sehen, wo sich die Schlange befand und bin dann schleunigst aus ihrer Naehe verschwunden, bevor sie noch auf dumme Gedanken kaeme. Da war eben mal hoechste Konzentration angesagt!

Am kommenden Tag war auch schon mein letzter Tag. Aber nicht, weil ich etwa nichts mehr zu essen hatte, oder weil es mir nicht gefallen hat. Es lag schlicht und einfach daran, dass ich allen Leuten gesagt hatte, dass ich an diesem Tag wieder ins Hostel zurueck kommen wuerde. Und daran musste ich mich halten! Ich wollte ja nicht, dass noch jemand Alarm schlagen wuerde, weil ich nicht zurueck kaeme!

Aber an diesem Tag hatte ich auch nur noch einen einfachen Weg vor mir. Auf diesen letzten Kilometern erwartete mich wenig Matsch, alle Sumpfgebiete waren mit Holzstegen ueberbrueckt und es befanden sich auch keine umgekippten Baeume mehr auf dem Weg, zwischen denen ich die letzten Tage durchklettern musste. Dieser Weg wird von vielen Wanderern als Tagesmarsch gewandert, da man so innerhalb weniger Stunden zum suedlichsten Punkt von Australien kommt.
Und so kam es mir auch schon sehr gelegen, als ich auf diesen letzten Kilometern des Tracks einen Vater mit Sohn traf, die ueber das Osterwochenende campen waren. Nachdem der Sohn mich erst fuer einen Ranger des National Parks gehalten hatte, kamen wir mal tiefer ins Gespraech. Dann haben die beiden mir auch gleich angeboten, mich mit nach Hobart zurueck zu nehmen, da sie an diesem Tag auch nach Hause fahren wollten. Na das kam mir ja wie gerufen, da wusste ich auch schon gleich, wie ich zurueck ins Hostel kaeme.

Mal zusammengefasst bin ich an diesen Tagen 120 km gelaufen. Hoert sich zwar jetzt nicht gerade viel an, wenn man bedenkt, dass ich 12 Wandertage hatte. Aber wenn ich euch jetzt sage, dass ich manchmal wirklich eine ganze Stunde an einem Kilometer am kauen war, da die Konditionen des Weges wirklich ganz schoen viel Kraft gefordert haben, dann erklaert das bestimmt einiges.

Seit ihr schon mal ein paar Kilometer durch knietiefen Schnee gelaufen? Wenn ja, dann koennt ihr euch sicher vorstellen, wie anstrengend es ist, wenn man einen Tag durch knietiefen Matsch laeuft!

..und mit Knietief meine ich auch wirklich Matsch bis zum Knie!

Aber alles in allem bin ich wirklich sehr froh, dass ich diese Tour durchgezogen habe. Es war wirklich sehr anstrengend, ich war fuer eine lange Zeit sehr isoliert, aber es war auf jeden Fall auch eine super schoene Zeit. Ich habe so viele verschiedene Seen und Fluesse gesehen, wanderte durch so viele Taeler und uber Berge und wanderte an mehr als ein Dutzend Straenden entlang.

Dieser Teil von Tasmanien ist wie eine andere Welt, er ist ganz unterschiedlich zu dem Rest von Tasmanien. Das Gestein, und auch die Vegetation sind ganz anders. In diesem Gebiet besteht die natuerliche Vegetation zum groeßten Teil aus verschiedenen Graesern und Streuchern. Sie haben auf all das Wasser im Sueden die gleiche Wirkung, wie Tee. Sie geben dem Wasser eine klare, braune Toenung. Die ersten Tage war es zwar ein bisschen Gewoehnungssache, aber letztendlich habe ich dieses Wasser fuer knapp 2 Wochen getrunken, ohne irgendwelche Gesundheitlichen Maengel zu bemerken. Eher im Gegenteil, denn dieses Wasser ist so reich an Naehrsalzen, dass es sogar sehr gut fuer den Koerper ist!

Es war auch mal eine interessante Erfahrung, sich 2 Wochen lang ohne Seife zu Waschen. Wisst ihr eigentlich wie weich die Haut wird, wenn man nicht taeglich die natuerlich produzierten Oele abwaescht!? Damit will ich jetzt nicht sagen, dass ich ab sofort nurnoch alle 2 Wochen Seife benutze, aber besser fuer die Haut waere es bestimmt :-P

Hiermit haette ich auch bewiesen, dass man ohne irgendwelche Maengel leicht 2 Wochen auf Strom und warmes Wasser verzichten kann. Man muss es eben einfach mal ausprobieren!

Wisst ihr eigentlich, was das fuer ein befreiendes Gefuehl ist, wenn man irgendwo an einem einsamen Strand ist und endlich mal so laut schreien kann, wie moeglich!? Wenn man sich einfach von saemtlichem Druck befreien kann!? Danach fuehlt man sich so richtig erleichtert! Das habe ich dort so gut wie jeden Tag gemacht ..und ich konnte auch mit 99 prozentiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass mich niemand hoeren wuerde!

Wenn ich ehrlich bin waren dies die besten 2 Wochen, die ich bisher hier in Australien hatte. Es war schon fast wie eine Art Kur, die mich nochmal so richtig aufruettelt und auch koerperlich noch mal ordentlich in Schwung brachte.

Ich bin zwar jetzt schon wieder ueber eine Woche zurueck im Hostel, aber hatte erst jetzt Zeit, euch von diesem wunderschoenen Abenteuer zu berichten, da ich erst mal ein paar Tage gebraucht habe, um meine komplette Ausruestung vom ganzen Matsch zu befreien und wieder komplett zu waschen.
Als ich damit fertig war, habe ich nochmal mit Piet, dem Manager des Hostels geredet, ob er nicht noch Arbeit fuer mich hatte und deshalb bin ich jetzt schon seit einer knappen Woche hier im Hostel am Arbeiten und habe heute mal einen freien Tag um diesen Eintrag zu schreiben!

Die Arbeit die ich hier die letzten Tage im Hostel verrichte ist eine Art Hausmeistertaetigkeit. Das heißt ich repariere Dinge, tausche Schloesser, wechsle Gluehbirnen, repariere Lampen, reinige den Hinterhof und so vieles mehr. Es ist eigentlich eine schoene Arbeit. Und vor allem ist es jeden Tag etwas anderes! Ich habe meine Ruhe im eigenen Werkraum, kann die Probleme auf meine eigene Art und Weise loesen und kann morgens aufstehen, fruehstuecken und dann sofort mit der Arbeit beginnen. Nur leider ist die Bezahlung nicht so der Renner. Es sind nur 15 Dollar Cash. Der Gesetzliche Mindestbruttolohn liegt hier in Australien bei 17 Dollar. Naja, mal sehn ob sich da nicht noch was machen laesst!

Ich habe ein ganzes Album ueber diesen Track in der Kategorie Bilder hochgeladen. Ein Blick dort hinein lohn sich auf jeden Fall, wenn ihr wissen wollt, was ich mit wunderschoener Natur meine!

Liebe Grueße aus Hobart, Tasmanien